Wasser marsch!

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Der Wetterbericht verhieß gar nichts Gutes - nach quasi 7 Wochen Dauersonnenschein nunmehr die zweite Woche mit Dauerregen - und das in der Eifel, wo es auch noch im Sommer Eisregen geben soll....

Na ja, wir haben es uns nicht verderben lassen (wollen) - unser schönes Rennwochenende im Rahmen des internationalen Oldtimer Grand Prix. Also von den Shorts bis zum Bärenfell und Ostfriesennerz alles eingepackt, denn bekanntlich kann man alles kalkulieren nur nicht das Wetter an besagten Ring.

Glück in der Anfangsphase hatten wir wieder mit der Zuteilung der gleichen Box wie im Vorjahr - der Nummer 20 im alten Fahrerlager, wo ich ja nimmermüde konstatiere: Alte Fahrzeuge gehören in das alte Fahrerlager, aber das hatten wir ja schon.....

[Image] "The Frog"
GRÜN kommt in Mode [Image]

Zu toppen ist so eine Location jedenfalls nach meiner Meinung nicht. Vor allem dann nicht, wenn man als Nachbarn sehr viele schöne Rennwagen aus Vorkriegszeiten hat, die auch so schön Krach machen wie unsere Megaphone und so toll nach Rizinusöl riechen - und vor allem dann nicht, wenn es wie aus Kübel regnet und mal wieder Paul den Mechaniker zwar nett behandelt, aber dafür auch bis zum frühen Morgen durchschrauben läßt: Letztes Jahr war Getriebewechsel angesagt, heuer Motor und Getriebe. Leider hatte ich mal wieder die Büchse zum Geldsammeln vergessen, die Menschentraube jedenfalls war riesig (soll aber zur Nacht hin weniger geworden sein).

Training also zur nachschlafender Zeit um 08.30 Uhr auf der kalten, nebeligen Nordschleife mit neuen Reifen. Michelin TB15 sollten angesichts des Wetters mal ausprobiert werden. Etwas zu hoher Luftdruck, die kaum angefahrenen Reifen und die quasi mit Schmierseife behandelte Nordschleife ließen in der ersten Stunde des Trainings keine Rundenzeiten zu. Alle anderen waren optimistischer und hatten die Yokohamas drauf gelassen, was sich zum Ende auch auszahlen sollte. Startplatz 11 jedenfalls konnte von Jens Petersen in den letzten Runden herausgefahren werden bis ein Plattfuß hinten links den Tatdrang vorzeitig stoppte....

[Image] im Training ging es noch ganz gut...
Pfanzgarten [Image]
[Image] wie gesagt, Modeerscheinung - hoffentlich
up up and away! [Image]

Das illustre Feld der Fahrzeuge bis Baujahr bis 1971 hat bei den 914 eine neue Dimension erreicht: Fünf 914 in einem Rennen hatte es bislang nicht gegeben! So zeichnet sich ab, daß 2006 wohl vorerst in die Analen der historischen 914 Rennen eingehen wird: 13 Porsche 914 bei der Monte und Gesamtsieg, 4 bei den Egons 500 und jetzt 5 beim OGP - wie sagte der Streckensprecher: Die 914-6 sind schöne schnelle Autos, bei diesen Verhältnissen sehr schwer zu fahren und von der Anzahl heute mehr am Start als früher überhaupt je zu Gesicht bekommen.

Das gleiche galt übrigens auch für die unzähligen 911 ST, die bei der Witterung es augenscheinlich auch wie die Pilze hielten, ob diese Entwicklung schön ist, lasse ich offen, aber der Gesamtsieg wird bei Langstreckenrennen dieser Art im Allgemeinen zwischen den Porsche ausgemacht, auch wenn die Pole Position oft von Ami V 8 durchsetzt wird.

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Das Fahrzeugfeld der FHR ist wesentlich interessanter für die 914 als die Rennen bis zum Baujahr 76, wo die RSR alles niederbügeln. Immerhin waren die RSR quasi unschlagbar bis in die Achtziger Jahre, wie sollten wir den dann mit unseren Autos was Ernsthaftes ausrichten können?

Bei den 71ern sind wir wesentlich besser aufgehoben, maximal die 911 2,3 ST und 2,5 ST (sind eigentlich von 1973?) machen unser Leben in der Konkurrenz interessanter. Darüber hinaus gibt es bei den 71ern wesentlich weniger Schrott als bei den Youngtimern, augenscheinlich wird sinniger gefahren und das Material wesentlich schonender bewegt.

[Image] der spätere Sieger - wieder schnell unterwegs
wenn wir uns Gedanken machen, ob etwas kaputt gehen

könnte, was soll der denn denken?

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[Image] ein Bizzarini ist auch nicht billig
der sicherlich auch nicht... [Image]
[Image] der hatte schon letztes Jahr das "Vergnügen" und war deutlich

ruhiger unterwegs

leider im Rennen nachher in der Box Dauergast [Image]

Das Erlebnis für Jens Petersen bei seinem ersten Einsatz mit einem alten Fahrzeug auf der Nordschleife läßt sich auf wenige Kommentare reduzieren:

1. "Euere Fahrzeuge bewegen sich ja extrem im Chassis - und das auf der Nordschleife!"

2. "für diese Strecke, bei diesen Verhältnissen sind die alten Autos aber verflucht schnell! Nicht ungefährlich was Ihr hier macht."

Man muß dazu sagen, daß Jens in der Vergangenheit moderne Porsche auf der Nordschleife bewegt hat und derzeit einen LMP 2 Courage in der Le Mans Series fährt - nichts dergleichen mit zirka 35 Jahren Alter wie unser 914! Er hat aber sicherlich in allen Punkten absolut Recht. Seine Tips, die weitestgehend in Richtung Sicherheit gingen werde ich sicherlich noch umsetzen.

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Das Ergebnis des Training zeigt es denn dann auch auf:

Start-#

Fahrer

Fahrzeug

Position

Bestzeit

Vorjahr

# 254

Meins

Ford GT 40

Pole

8:27

./.

# 316

Singer

Porsche 914/6

P 4

8:51

8:36 P3

# 312

Frey / Peterson

Porsche 914/6

P 11

9:17

8:43 P10

# 315

Stahl / Sadlowski

Porsche 914/6

P 17

9:33

./.

# 311

Wittke / Küke

Porsche 914/6

P 64

10:35

./.

# 314

Seiler / Müller

Porsche 914/6

P 94

11:20

Reifendef. Start aus Boxengasse

Für diese Verhältnisse ist die Bestätigung des Trainingsergebnisses aus dem Vorjahr für Paul und mich eine schöne Sache gewesen, nur welche Reifen sollen wir zum Rennen nehmen?

Der Tag wurde erst einmal wirklich schön, Paul fuhr noch das Training zum Rennsportrevival und wechselte dann auf die neueren Yokohamas zurück, keine Veranlassung also für mich die Michelin weiter zu fahren. Jens war ebenfalls voller Zuversicht hinsichtlich des Wetters, so daß wir auch die angefahren Yokos aus dem Frühjahr montieren ließen (aber dennoch das Rain-Ex auf den Scheiben einpoliert - konsequent nicht?)

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Kurz vor der Startaufstellung zeigte der Himmel aus der Richtung, wo gemeinhin immer am Ring das Wetter her kommt keine Wolken

--- nur eine schwarze Wand.

Jens machte noch Mut mit dem Hinweis, daß die Flaggen den Wind aus der anderen Richtung anzeigten, aber zu ändern war ohnehin nichts mehr. Also los!

Ganz genau zum Vorstart auf der Döttinger Höhe ging das Geplädder los - dicke schwere Tropfen aus einem fetten Gewitter - aber das war nur das Vorspiel wie sich zeigen sollte!

Die Einführungsrunde und der fliegende Start waren dementsprechend sehr verhalten, alle Teams haben mehr mit den Verhältnissen als mit dem Rennen zu tun gehabt und zeigten eine hervorragende Disziplin.

Verdrängungswettbewerb [Image]
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Im Hatzenbach stand schon der Ford GT 40 in der Wiese - verbremst, typische Stelle, aber wo war es nicht glatt, rutschig und Zentimeter hoch mit Wasser bedeckt?

Im Bereich Kesselchen die ersten nur noch nassen Stellen - endlich mehr Gas, aber alles noch rutschig. Bis zum Pfanzgarten passable Verhältnisse, wenngleich feucht und glatt.

Döttinger Höhe ein Kraulen gegen die Wassermassen - null Sicht, wenn jetzt einer Mist gebaut hätte, dann hätte es das ganze Feld hinweggerafft!

Hatzenbach, gerade noch Freischwimmer jetzt nur noch naß und (wie immer) rutschig, dafür am Schwedenkreuz bis zur Fuchsröhre --- Wassersturzbäche. 200 km/h ++ und dann über die Brücke in die sehr schnelle Links mit dem leichten Hubbel, wo der 914 immer so sehr leicht wird.... - da fuhren alle mit spitzen Fingern und diejenigen die es nicht machten landeten zum Glück nach leichten Rutschern maximal im Kies oder leicht an der Planke, aber nichts wirklich Schlimmes - ein schwerer Unfall hat hier auch nichts zu suchen, also durchhalten und Wagen heile lassen, daß wird schon die Plazierung sein....

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Im nächsten Turn im Bereich Metzgesfeld knallten die Tropfen besonders laut. Tropfen? - nein Hagel! Mist wir hätten die Conti-Spikes vom Käfer nehmen sollen! Die Eifel machte ihrem Namen wirklich absolut alle Ehre!

Im Bereich Kesselchen wurden die langen Kurven jetzt auch spaßig, die breiten Bäche brauchte man sich jetzt nicht mehr zu merken -- der Lehm kennzeichnete die Furten sehr gut -- man mußte tunlichst die Räder gerade stellen und die Fuhre ohne Querbeschleunigung über die Passagen heben. Von einem wirklichen Rennen keine Spur, wenn ich mich richtig entsinne, fuhr ich rundenlang ohne Feindkontakt weder von vorne noch von hinten.

Die Döttinger Höhe war wieder ein langes Schwimmbecken. Durch die montierten Megaphone brüllte der Boxer seinen Sound weit in die Landschaft. Was aber jetzt auch zu hören war, war der Schlupf an den Hinterrädern! Bei Geschwindigkeiten weit jenseits der 200 km/h kommt dabei ein nicht wirklich passendes Gefühl in der Magengrube auf! Lupfen vor der Brücke war keine Ehrensache mehr (geht doch VOLL!), sondern Notwendigkeit. Mancher mit einem 914 kam hier vom rechten Weg ab...

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Was klar wird und erst zur 13. Runde abebbt: Es handelte sich um mindestens 3 Gewitter die nacheinander die Strecke und uns Fahrer heimsuchten, gerade zu diesem Zeitpunkt und gerade mit dieser Intensität - ich habe viel wieder über nasse Strecken, angefahrene Reifen und die Fahrbarkeit von Yokohamas gelernt, die bekanntlich ja nur 17% Negativanteil = Profil haben. Ein Reifenwechsel kam aus Zeitgründen nicht in Frage und die Yokos fuhren sich gemessen an den Verhältnissen absolut passabel.

Fragt Paul! [Image]

Wo war Paul? Der 914 war in absolut aussichtsreicher Position leider mit Getriebedefekt ausgerollt. Wirklich schade, denn wenn man die Positionen nach einer Stunde sich im Netz (www.avd.de, dann OGP, dann Marathon, dann Ergebnisse) anschaut, dann wäre das Podest auf jeden Fall wieder drin gewesen. Na ja, that´s racing - keiner weiß das besser als Paul.

Stahl / Sadlowski hatten ein / zwei Planken-kontakt(e) und fuhren vehement weiter. Respekt, wenn man bedenkt, daß der Wagen erst mitten in der Nacht fertig geworden war und beide Fahrer vorher nie im 914 rennend unterwegs waren. Zudem wäre ein verstellbarer Sitz sicherlich hilfreich gewesen, die Größenunterschiede der Fahrer mußten mit einfachen Mitteln ausgeglichen werden. Fürs erste kommentierte Sadlowski die Erreichbarkeit der Kupplung mit den Worten: "Egal, jetzt fahr ich!"

Wittke / Küke hatten einen Schwungraddefekt und stellten den Porsche sicherheitshalber bevor größeren Schäden eintraten in der Box ab.

Seiler / Müller kamen auch mit einem als 5-Zylinder laufenden 914 ins Ziel.

Bleibt für mich als Konsequenz - angekommen und bester 914! Logisch, wenn alle anderen 914 nicht sauber durchkommen?

Box 20 - altes Fahrerlager - schön!

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Aber:

17. im Gesamtklassement von 100 Startern und

2. in der Klasse von 12 Wettbewerbern zeigt doch ein wenig die Performance an.

Dazu kommt die siebtschnellste Rundenzeit mit 9:03, die Jens in den 6 verbleibenden abtrocknenden Runden noch hinzaubern konnte!

Das Ergebnis im Einzelnen:

Start-# Schwimmer Boot Position Bestzeit Vorjahr Zeit/Platz
(trocken & warm)
# 312 Frey / Peterson Porsche 914/6 P 17 9:03 8:44 P10
# 315 Stahl / Sadlowski Porsche 914/6 P 32 9:24 ./.
# 314 Seiler / Müller Porsche 914/6 P 34 11:12 9:17 P27
# 311 Wittke / Küke Porsche 914/6 P 55 dnf 9:29 ./.
# 316 Singer Porsche 914/6 1:21 dnf 11:01 8:39 P3

dnf = did not finish

Ich denke, jeder der dieses Rennen überlebt hat, hat gewonnen! Zudem ist diese Veranstaltung ohnehin eher als Spaß zu verstehen, denn nur der Sieger - wieder einmal bei der Kombination Regen & Nordschleife der hervorragend fahrende Markus Graf von Oynhausen mit seinem Jaguar E-Type - bekommt den großen Pokal als Staubfänger und alle anderen - auch der Zweite bekommen "Ehrenpreise".

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Der olympische Gedanke zählt und das ist auch was wert: Man kann seinen Enkeln später erzählen, daß Opa früher als Haudegen die Fluten geteilt hat....

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Nach dem Rennen ist vor dem Rennen....

Udo