Mit dem Sakko nach Monaco
..das ist die adäquate Garderobe für die Price Giving Gala im Sporting Club des Automobilclubs Monaco. Dort feierten die 350 Teilnehmer der Rallye Monte Carlo Historique ihre Gesamt- und Klassensieger. Die größte deutsche Mannschaft (15 Fahrzeuge im Team Loos International), die zu dieser Rallye jemals gemeldet war konnte nicht durchwegs an die Erfolge vergangener Jahre anknüpfen; aber das hatte seine Gründe
Schon am Vortage des Starts fiel tonnenweise Schnee, unser BMW 2500 küsste bei Abfahren der Wertungsprüfung Col de Turini seine erste Leitplanke, die ihn in einer Kurve vor der Geradeausfahrt und einigen hundert Höhenmetern bewahrte. Das stärkste Starterfeld ging Freitag Abend am Casino in Monte Carlo über die Startrampe, weitere Startorte waren Reims, Barcelona, Turin und Kopenhagen. Wenige Kilometer nördlich von Monaco setzte wieder Schneefall in Kübeln ein, welcher erst 12 Stunden später enden sollte, als der Veranstalter die so genannte Sammeletappe wegen nicht mehr passierbarer Straßen in der Ardèche abbrach. War diese Nachtfahrt sonst ein ermüdendes Abspulen von gut 800km auf ordentlichen Straßen, so fuhr man dieses Jahr ausschließlich auf verschneiter Bahn, 10 - 50 cm Schnee, und immer ordentlich Eis drunter - die Etappenzeiten waren gerade so zu schaffen.
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sagt doch eigentlich absolut alles... |
Die Klassifikationsrunde am Sonntag mit St. Felicien, Col de Buisson, Col de la Faye, Col de Fayolle forderte erste "Opfer". Auf Matsch über Eis ging oft die Straße schneller aus als gedacht und die sportlichsten Teilnehmerfahrzeuge staken wie Steckrüben mit dem Bürzel nach oben im Graben oder noch tieferen Abgründen.
Am Montag mit traditioneller Eis- und Schneepiste am Col de l' Echarasson waren die Träume von bereits 2 Hoffnungsträgern der deutschen Mannschaft zu Grabe(n) getragen: Die Vor-jahres-Fünften Kienen/Kienen und die Besatzung des Mega - "Kadettche" mit Henkel/Werner wurden zu freundlich winkenden Zuschauern - es war ein Jammer!
| ... den sie waren angetreten die Schmach der vor 35 Jahren erlittenen Niederlage zu beseitigen - die 13 Samurai.. | ![]() |
Am Dienstag gab es bei der WP Sospel auf bis dato nicht befahrbarer Schneepiste zwei Teilnehmerkategorien: Die Minderheit, die durchkam, und die Mehrheit, die hinter durchdrehenden Reifen (und Fahrern) hängen blieb. Wir waren bei der Mehrheit, und mit fetten 20000 Strafzeitpünktchen hätten wir es schmerzfrei auslaufen lassen können. Nach kurzer Ruhepause in der Luxussuite in Monaco (all included!) brach die "Nacht der langen Messer" an, und im Eiskanal von Luceram, hinter Coaraze und am Col de Turini gab es wiederum 2 Kategorien: Ausfälle und Sieger. Nichts wurde ausgelassen, schwarzes Eis, Eispiste, Wasserlöcher (der Feind für die Käfer-Zündanlage unseres Teams Frey/Petry) und gähnende Abgründe badeten den Fahrer in Angstschweiß, so manchem Beifahrer ging das Abendbuffet durch den Kopf.. Waren auf der Startrampe die Zähnchen der BMW-Reifen noch vollständig, so verblieben bis zum Zieleinlauf nach 180km Achterbahn nur wenige Spikes auf ihrem Posten. Die Technik unserer Susi hielt durch - E3 ist halt E3! Die Plazierung wurde für "unwichtig" erklärt. Im Hafen von Monaco stießen alle Mitglieder des deutschen "Team Loos" auf eine eis(en)harte und sehr spannende Rallye Monte Carlo Historique 2006 an. Schnee gibt's auch auf anderen Turns, freundlichere Marschalls findet man wohl überall, aber: Orginal ist Orginal. Und es gilt immer noch: Gelobt sei was hart macht!
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fast alle 914! unten der spätere Gesamtsieger!! Gratulation!! |
Die Galaveranstaltung am folgenden Abend wurde kulturell aufgewertet durch einen Gesangsbeitrag aus eigenen Reihen, aber vor allem: 4 (vier!) Klassensieger aus unserer Mannschaft, Hofmann/Maier-Lenz auf Alfa Giulia 1600 Sprint, Kristensen/Kristensen (DK) auf Lancia Fulvia HF, Harder/Saufaus auf Volvo P 1800 S und Jüntgen/Müller auf Mercedes 300SE.
Na also, geht doch!
Interessenten für 2007 bitte mail an GertPfundt@aol.com
Udo Frey:
Ich habe mir erst überlegt Anmerkungen in den Artikel einzufügen, aber es dann doch anders überlegt, weil die Struktur und der Fluß der Zeilen dieses sehr guten Berichts sonst nicht erhalten geblieben wäre!
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typischer Monteunfall und die "Helfer" dazu im Hintergrund, denn merke, Schneeschaufeln ist Volkssport in der Ardeche und den Seealpen! |
| war aber auch genug davon da.... | ![]() |
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... wenn es "nur Schnee" gewesen wäre, dann hätte man... Matsch ist einfach nur rutschig, Winterlamellenreifen aber eben für Schnee, Spikes für Eis, aber Matsch... |
| ... ach ja, und Wasser natürlich!! | ![]() |
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typischer Zuschauereinsatz bei dieser Monte! |
| .. die Entscheidung der Rallye, der Vordermann patzt (wir auch!) und schon steht alles... der olympische Gedanke hilft! | ![]() |
Ich habe diesen Zeilen nur Ergänzungen hinzuzufügen, weil diese Rallye tatsächlich so ziemlich das härteste war, was ich je bei Oldtimerveranstaltungen erlebt habe. 4 Prüfungen mit 60 km Länge und Unberechenbarkeiten, die man sich kaum von zuhause aus vorstellen kann. Die Ankunft in Monte Carlo kam mir dieses Mal quasi wie eine Erlösung vor und das Gefühl etwas geleistet zu haben war erst einmal dem Verarbeiten des Erlebten untergeordnet - zu groß war die Konzentration und die Anstrengung aus der Tour.
Also nur zur Ergänzung:
Nicht nur Kienen/Kienen und Henkel/Werner ließen bereits am ersten Tag Federn, auch wir hatten die "Begegnung der 3. Art" mit einem kleinen Steinmäuerchen, welches uns aber auch sinnvoll vor der Ab-Fahrt zu einer tieferliegende Wiese bewahrte, wo wir wohl nur mit einem Boot über den Bach hätten unsere Fahrt fortsetzen können. So hatten wir nur den Verlust eines Lampentopfs und die Kaltverformung des linken Kotflügels mit Stoßstange zu verschmerzen Die Zeitstrafe mit 3.400 Strafpunkten (das bedeutet, Einschlag, Sichern der Unfallstelle, Herausziehen des Kotflügels, Verstauen des Werkzeugs und Niederkunft des Beifahrers, rückwärts freifahren und weiter - innerhalb von 340 Sekunden = 5 Minuten und 40 Sekunden) war da noch am ehesten zu verschmerzen. Uwes Ruhe bei dieser Hektik möchte ich da auch mal haben...
100 Meter weiter sahen wir dann den BMW von den Kienens - eingeparkt hochkant an der Böschung, gestrandet bei dem Versuch einen langsamere Alpine A 110 zu überholen... (kennen die 914-Fahrer sicherlich auch ....)
Apropos Alpine und seine Gegner - hinsichtlich des Porsche 914-6 wurde jetzt die totale Revange geschafft! Sieger wurde das Team Compas/Buhot auf Porsche 914-6 und Zweite Zavanella/Casavola auf Porsche 914-4! Nach exakt 35 Jahren der Sieg bei ähnlichen Verhältnissen wie 1971, wo der 914-6 von Waldegaart den "undankbaren" 3. Gesamtrang belegte (wäre heutzutage der Supertriumph!!). Insgesamt war es ohnehin eine 914-Show: 13 Fahrzeuge dieses Typs fuhren mit, nur die Alpine waren noch zahlreicher.
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Wie bereits beschrieben geriet bereits die Konzentrationsetappe zu einer montetypischen Angelegenheit: Schnee - Kampf ums Ankommen, wilde Szenen - bis zum Morgen aber immer noch recht harmlos, weil Neuschnee und die Continental Winterreifen mit Spikes noch ganz gut mit den Verhältnissen harmonierten. Wirklich grenzwertig wurde die Fahrt Richtung Valance / Orange, wo gerade ganz Frankreich unter einer Schneepracht zu versinken schien und alle Autobahnen gesperrt worden waren! Man muß sich die Szenen vorstellen, die gerade durch das einsetzende Tauwetter völlig eskalierten: Eine mit Schneematsch ca. 20 cm hoch belegte Strasse, wo eine zweispurige Furt gelegt ist, die mit Schmelzwasser gefüllt ist. Unsere Fahrzeuge haben alle auf dem Bodenblech den Matsch geglättet, vorangetrieben durch zwei Reifen, die nicht rollten, sondern sich eher wie zwei Außenbordrotoren betätigten um die Fuhre in Bewegung zu halten - muß man erlebt haben -- aber nur einmal.
Der Abbruch war fast zwingend, aber die Fahrt nach St. Etienne damit nicht aufgehoben. Die nunmehr zu nutzenden größeren Strassen erwiesen sich durch LKW und Räumfahrzeuge als noch unpassierbarer - eine ca. 100 km lange Fahrt hinter zwei versetzt fahrenden Räumfahrzeugen als nicht sehr spannend (erst als wir versuchten diese zu überholen!). Wären wir schon vorher vom Roadbook auf größere Straßen geführt worden, wäre es uns sicherlich wie den Startern aus Barcelona ergangen: Ankunft in St. Etienne erst 12 Stunden hinter dem Zeitplan. Nur die ganz Harten fuhren gleich mit uns weiter (wir hatten eine Nacht geschlafen!) auf die Wertungsprüfungen Richtung Valance zurück.
Sisterone im Schnee war die Entscheidung !- ein verschneiter Paß - eine der Monteprüfungen schlechthin, ursprünglich gesperrt, aber durch die guten Kontakte des ACM dann doch gefahren. Zuschauer mit ihren steckengebliebenen Fahrzeugen, Rallyekollegen im selben Zustand - auch uns hatte es erwischt - nur ein Beispiel: Pierer mit seinem BMW war vorher noch auf einem hoffnungsvollen 5. Platz, danach auf dem 78.!!
Fragwürdig auch: Zeitaufholung im Mittagsverkehr an der Cote Azur ist wenig erfreulich, nicht nur für die Anwohner - meist als Gegenverkehr und erst recht nicht für uns, die Teilnehmer. Dann doch lieber kürzere Etappen und Neutralisation in den Ortschaften. Ob wir es wieder machen würden? Wie nach dem 24h Rennen: die Frage ist erst später zu beantworten, meist beim Ausfüllen der Nennungsunterlagen im nächsten Jahr!
Vielleicht auch noch als denkwürdiges Ereignis zu erwähnen: Während alle Rallyeautos sich den Berg hochkämpften und es teilweise kaum schafften - wir hatten von unserer Ausfallpostion (der oben genannte Elektrikdefekt) den besten Einblick, wurden wir nach der WP von einem Abschleppwagen aus der Prüfung im Huckepack getragen. Nur durch ein kleines Stahlseil gehalten ("treten Sie doch bitte während der Fahrt auf die Bremse") und im leichten Drift und wir oben im Auto! Ich habe mich ziemlich schnell angeschnallt, man weiß ja nie...., einen Helm hatte ich VORHER nie vermisst in dieser Situation schon!
P.S. Zum Thema Gesangseinlage: Ich fand Gerds Auftritt einfach phantastisch! Wo bekommt man so etwas heute noch geboten? In Monte Carlo natürlich, im Sporting Club natürlich und vor stilvoll gekleidetem Publikum ---- na logisch, mit Sakko in Monaco!
Danke Gerd! Für das unvergesslichstes postives Ereignis der ganzen Rallye!
Udo
Bilder-Links zum Thema:
http://alpinerenault.free.fr/galeries/usdispserie.php?id_album=46&offset=0
http://www.sportauto.org/Index.htm
http://perso.wanadoo.fr/col-de-turini/en/home.html
http://www.foro.pieldetoro.net/foro/viewtopic.php?t=53788&postdays=0&postorder=asc&start=80
http://herve.brun.free.fr/MCHistorique/
http://herve.brun.free.fr/MCHistorique/slides/_MG_6632.html
Coxy bei der 9. Rallye Monte Carlo Historique
Vom 26./27. Januar bis 1. Februar 2006 findet die 9.Rallye Monte Carlo Historique, eine der bekanntesten Oldtimer-Rallyes des Welt, statt. Der Käfer ist zum ersten mal mit einer Mannschaft aus insgesamt 15 Teams dabei und freut sich auf die Herausforderungen.
Insgesamt knapp 2.500 km durch Schnee und Eis werden die Teilnehmer unter ihre Rallyereifen nehmen. Ganz im historischen Stil beginnt die Rallye mit einer Nachtzuverlässigkeitsfahrt von gut 1.000 km und erst nach der Ankunft in St. Etienne stellen die Teilnehmer sich bei den anspruchsvollen Wertungsprüfungen in den französischen Seealpen dem Wettbewerb mit nahezu 350 Teams aus 16 Nationen. Darunter so bekannte Rallyelegenden wie Tony Fall, Jean Ragnotti oder Cesare Fiorio.
Bei der historischen Ausgabe der "Mutter aller Rallyes" sind ausschließlich Fahrzeug-Marken und -Modelle zugelassen, die in den Jahren 1955 bis 1977 an der Rallye Monte Carlo teilgenommen haben. Dies muss mit einem internationalen FIA- oder FIVA-Wagenpass im Zuge des unvermeidbaren Papierkriegs mit dem Teilnahmeantrag nachgewiesen werden.
Die Faszination "Rallye Monte Carlo" verbindet alle Teilnehmer des Teams, das sich aus ganz Deutschland sowie Dänemark und Österreich zusammengefunden hat. Dementsprechend rollen die Fahrzeuge der Teammitglieder in den Startorten Monte Carlo, Kopenhagen und Reims am Abend von den Startrampen, um sich nach einer nächtlichen Sternfahrt am nächsten Tag mit den anderen Teilnehmern aus Barcelona und Turin in St. Etienne zu treffen.
An den nächsten Tagen folgen die Etappen von St. Etienne nach Valence über Gap nach Monte Carlo mit nochmals gut 1.000 km und über 400 Wertungskilometern. Darunter die bekanntesten Rallyepfade der Welt wie beispielsweise die 33 Kilometer lange Prüfung über den Col de Turini, die so genannte "Nacht der langen Messer".
Bei derartigen Beanspruchungen von "Mensch und Maschine" heißt das erste Ziel einfach nur ankommen! Aber wenn am 1. Februar die Schwarz-Weiß-Karierte Zielflagge im Hafen von Monaco fällt, werden sich die Teams an ihren Anspruch erinnern, einen Podiumsplatz in der Teamwertung zu erringen und begierig auf die Veröffentlichung der Ergebnisse im Rahmen der Siegerehrung des Automobile Club de Monaco im Monte Carlo Sporting Club warten.
Wir drücken die Daumen!
Übrigens: Wir auch!!