Die 8. Rallye Monte-Carlo Historique führte dieses Mal für uns wieder von Reims nach Monte Carlo - Koxi on the Run!
Der Käfer (schon 2004 Koxi getauft - aus dem Wort Coxinelle, wie der Käfer in Frankreich genannt wird und deutschem "K") hat seine 3. MonteCarlo Rallye nach 4.069 km (im Vorjahr war es trotz Startort Turin mit 4.077 km fast die gleiche Distanz) gemeistert und gerade auf Schnee und Eis eine äußerst überzeugende Vorstellung seiner Wintereigenschaften geliefert. Das Fahren auf Eis und Schnee bekommt durch die Winterreifen von Continental - mit und ohne Spikes - eine Dimension, als wäre man auf gerade einmal feuchter Straße in der Eifel unterwegs.
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sonniges Wetter, tolle Pisten - was will man mehr? |
| Eisig kalt war es draußen schon.. | ![]() |
Garniert wird dies durch die sehr schönen Fahreigenschaften des Käfers, dessen optimiertes Fahrwerk zwar etwas zu tief für eine Winterrallye scheint, aber angesichts des doch 70 % trockenen Asphalts durchaus angemessen (und schnell) war. Anläßlich des obligatorischen Besuchs der TipTop - Bar am Ende des Galaabends meinte Tony Fall noch: Downhill war der Käfer das schnellste Fahrzeug, das er je gefahren sei, mit einer außerordentlich guten Balance - nur aufwärts fehlte es eben an Leistung. Immerhin konnte Tony seinerzeit mit 120 PS so gut umgehen, daß er zwei Meisterschaftsläufe gewinnen konnte....
Der Start der Rallye war dieses Mal wieder in Reims, wo wir schon 2003 erstmalig gestartet waren und woran wir gute Erinnerungen hatten. In Reims gibt es die Tradition, daß die Rallyeteilnehmer (das größte Starterfeld der 350 Starter der Rallye kommt mit 100 Autos aus Reims) am Vorabend des Starts von der Stadt zum Abendessen eingeladen werden und man sich so in zwangloser Atmosphäre schon einmal kennen lernen kann.
Dieses Mal hatten wir besonderes Glück mit unserer Tischgesellschaft: Einerseits hatten wir an unserem Tisch das wohl älteste Team der Rallye, die laut Aufschrift auf Ihrem Wolseley 1800 zusammen über 200 Jahre alt waren und über 157 Jahre Fahrerfahrung in die Bedienung des Fahrzeugs einbrachten - keine Angst, 100-jährige fahren denn dann doch keine Rallye mehr, aber die freundlichen Briten haben sich der Monte-Tradition der 50er und 60er angeschlossen und sind mit einem Fahrer, einem Navigator und einem Mechaniker auf Reisen gegangen. Viel Stoff also aus der Vergangenheit gab es zu berichten.
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was man in solchen Situationen alles braucht |
| Vor allem einen funktionierenden Service - der Dank gilt ganz besonders den Jungs an dieser Stelle! Unser Servicepark war sogar noch größer, denn Manfred hatte links seinen Volvo noch geparkt! | ![]() |
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das sind die beiden - Spikeverladung im Hafen von Monte Carlo |
Die andere Tischgesellschaft sollte uns auch auf dem Weg nach Vals les Bains nicht mehr verlassen, denn das besonders sympathische holländische Team (Elza und Herman Arentsen) mit der Startnummer 207 fuhr in ihrem Triumph TR 3 genau vor uns. Daß man wesentlich mehr Leidensfähigkeit in einem TR 3 mitbringen muß als in einem Käfer mit Standheizung läßt sich schon aus der Aussage von Herman ableiten, daß kaum Platz für die kleine Kamera blieb, denn im TR ist es super eng und mit einem Verdeck statt Hardtop auch sicherlich nicht sehr wohnlich. Dennoch hat Elza die Navigation hervorragend gemeistert und im Team schlußendlich die Klasse Ihres Fahrzeugs gewonnen - Gratulation angesichts dieser Leistung!
Grundsätzlich konnten auch wir uns gegenüber dem Vorjahr verbessern, nach Platz 128 im Jahr 2004 waren wir nach der Qualifikation in Burzet auf dem 93. Rang und konnten uns trotz verschiedenster Versuche einiger Konkurrenten, uns den Schnitt zu vermiesen, dennoch bis ins Ziel auf den 84. Rang steigern!
Keine Selbstverständlichkeit, denn die Konkurrenz war diesmal ausnehmend hart. Auf der ersten Prüfung gleich mit Schnee und Eis waren nach 28 km noch drei Teams mit 3 Sekunden Abweichung auf dem ersten Rang. Eine wirklich hervorragende Leistung, denn es galt hier den Startplatz für den Folgetag zu finden und vor allem alle vorausfahrenden Rallyenovizen abzuschütteln. Ein Problem, welches wir in den Folgetagen noch zu spüren bekamen.
Der Veranstalter hat aufgrund der schieren Größe des Feldes mit 350 Teilnehmern den Startablauf vor jeder Prüfung derartig geändert, daß in ca. 30 Sekunden Abstand je ein Auto ohne vorheriges Stempeln in die Prüfung fahren darf. Das Anstehen vor jeder WP in der Startreihenfolge entfällt somit und so konnte der Stau in den meist sehr engen Sträßchen vermieden werden. Auf größeren Plätzen waren dann im Sinne eines Regrouping die ZK-Zeiten einzuhalten.
Durch diese Änderung hatte man dann meist nicht mehr "sein Fahrzeug" aus der Startreihenfolge vor sich, sondern das Fahrzeug, welches gerade vor einem fuhr. In unserem Fall bei der ersten Prüfung einen hellblauen Citroen DS 19, der nicht nur die Zeiten nicht einhalten wollte / konnte, sondern sich auch außerstande sah, uns überholen zu lassen. Folge: Strafpunkte!
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Die Perspektive kommt mir farblich und auch optisch irgendwie bekannt vor - vor allem aber spiegelt sich das Leben in der Haube eines 914 wider - aber das wußten wir ja schon alle in unserem Kreis.. |
Ähnlich erging es uns in weiteren Prüfungen, wo uns Teilnehmer überholen wollten (und auch konnten) und dann in der Folge wieder langsamer wurden (wo war der Schnitt und das Fairplay noch gleich?), uns behinderten oder in der als Eiskanal bekannten Route Forestière (Forstweg) zum Col de l'Echarasson hinauf mit durchdrehenden Rädern nebeneinander parkten und für uns kein Durchkommen war (700 Strafpunkte).
Man muß es sportlich fair und gelassen sehen - die anderen hatten ähnliche Probleme, vor allem aber hatten sie mehr Leistung, um wieder aufzuholen....
Die Strecken waren dieses Mal außergewöhnlich gut ausgewählt und hatten jeden Tag mindestens zwei Highlights der fahrerischen und der landschaftlich reizvollen Art parat: Jeden Tag Eisplatten und Schneewege, aber auch Sträßchen, die nur eine Wagenbreite darstellten und die man als einfacher Tourist sonst nie zu Gesicht bekäme - das Vorhaben, diese Strecken im Sommer mit anderen Gefährten abzufahren steht jedenfalls fest: ein landschaftlicher Hochgenuß, soweit ich das als Fahrer beurteilen kann (man sieht halt doch nur einen sehr begrenzten Bereich in diesem Rallyemoment), jedenfalls war Daniel auch dieser Meinung.
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der Vergleich der "Kotflügelverbreitungen" sei mir erlaubt! Farbe stimmt bei beiden schon mal! | ![]() |
Erwähnenswert sind natürlich die Geschichten welche die Rallye schrieb:
Wir waren weitestgehend wie auch im Vorjahr vom Defektteufel verschont; außer einen Ansaugpfeifen gab es keinerlei Anzeichen einer Aufgabe der Technik an Koxi zu verzeichnen. Rainer Hummel (www.hummel-motorsport.de) hatte seine Aufgabe wieder einmal hervorragend gemeistert und Koxi die sprichwörtliche Zuverlässigkeit verliehen.
Anderen ging es aber nicht unbedingt so:
Unser BMW - Team Gert Pfundt und Torben Lorenian hatte Stoßdämpferprobleme links vorne nach dem ersten Tag zu beklagen, welche sich in einem deutlichen schleifenden Geräusch äußerten. Nach eigener Aussage hatten sie schon alles durch: Radlagertausch und Rejustierung, Domlager usw. Was sich rausstellte, läßt doch den Glauben an die bajuwarische Technik steigen: Die Dämpferpatrone hatte sich aus dem Rohr gelöst, die Mutter war nur noch lose vorhanden, damit Burzet in guter Zeit zu fahren - alle Achtung!
Bei Werner Henkel und Günter Meierer in Ihrem C Kadett ging es während der Rallye auch sehr gut, aber bei den Abfahrten im Vorfeld hatte man schon festgestellt, daß der Dreieckslenker gebrochen war, so daß der Service mit Uwe Petry und Peter Michels am ersten Abend alle Hände voll zu tun hatte.
Da ist die Wandlung des Webervergasers des Volvoteams mit Manfred Schürmann und Frank Wiest zum "Weber Pellegrino" schon einfacher verlaufen: Die fehlende Verschlußschraube des Vergasers wurde kurzerhand durch den Deckel der Mineralwasserflasche ersetzt.
Auf jeden Fall liefen alle Fahrzeuge des Teams am Folgeabend wieder. Dem Service sei Dank!
Die Möglichkeit der Teambildung sollte im nächsten Jahr durch die deutschen Teams wesentlich stärker verfolgt werden. Während die Norweger sage und schreibe 16 Fahrzeuge in Ihrem Team nennen konnten, kam bei den Deutschen kein Einziges zustande. Weder Rhein-Rur-Racing noch wir (European-Historic-Rallye-Team) hatten es geschafft, 5 Fahrzeugteams im Vorfeld der Nennung abzustimmen. Das muß sich für 2006 ändern, so daß ich jetzt schon alle Interessierten auffordern möchte, sich zu diesem Zweck bei mir zu melden (udofrey@aol.com) um dies erfolgsorientiert zu koordinieren! Es gibt keine Nachteile und keine zusätzlichen Kosten. Durch die zusätzliche Angabe des Teams in der Nennung besteht die Möglichkeit, an der Teamwertung teilzunehmen und eventuell einen weiteren Pokal als Staubfänger einzuheimsen. Die Teams Jüntgen und Kienen hätten dieses Jahr jedenfalls einiges dazu beigetragen, diese Wertung zu gewinnen - beide sind in den TOP 5 gelandet!
Die Geschichten, die in der Rallye geschrieben werden, können schon
kurios sein:
Von 351 gestarteten Fahrzeugen sind trotz besten Sonnenwetters über 60 ausgefallen. Havarien durch Unfälle waren überall zu sehen (ein typischer Monte-UInfall hinterläßt zum Beispiel einen verbeulten Kotflügel, vorzugsweise vorne rechts).
Als Indikator für die Härte der Rallye mag die letzte Prüfung in der Nacht gelten, wo zwei Wertungsprüfungen - nur unterbrochen durch knapp 500 m Verbindungsetappe durch ein Dorf - sich auf insgesamt 130 km WP - Länge summierten. Mehrere Pässe, Hunderte von Kehren und ein Abschluß durch einen Eiskanal, der nur noch durch die Zeitaufholjagd den Col de Braus runter getoppt werden konnte!
Bremse? Keine mehr da!
Ich konnte danach das Wort "Spitzkehre" nicht mehr hören....
Den Abschluß bildete dann wieder der versöhnliche und sehr schmackhafte Sekt von Günter im Hafen von Monte Carlo - alle waren durchgekommen, alle waren voll des Lobes für die Organisation - nur etwas besser in der Plazierung hätte es sein können.(?)
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das muß sein! Super - Sekt von Günter im Hafen von Monte Carlo nach der "Nacht der langen Messer" um ca. 02.30 Uhr |
Jedenfalls konnte man sich in dieser Nacht beruhigt in die Kissen der 5+ Sterne Hotels sinken lassen, die Rallye war zwar durch den weiteren Veranstaltungstag etwas in der Schärfe der Dauerfahrten entzerrt worden, aber keinesfalls fahrerisch weniger selektiv geworden. Man hatte jetzt mehr Zeit um die Wunden zu lecken.
Zeit hatte man aber auch um die vielen Kinder mit Autogrammen zu versehen. War in St. Jean Royans im Vorjahr noch der örtliche Kindergarten zur Begrüßung der Rallye angetreten, so waren dieses Mal alle Kindergärten und erste Klassen der Umgebung vertreten - Kindererziehung Pro Rallye bei den Franzosen!
Zeit gab es aber auch um bei der teilnehmenden Ente das Gestühl zu reparieren. Auf dem serienmäßigen Sitzgestell war die gesamte Rallye kaum durchzuhalten, denn es war gebrochen. Schnell war Ersatz gebracht, der dann nur noch umbespannt werden mußte. Die Zwischenzeit konnten die Piloten gut verbringen: Der Kofferraum war voll mit Rotwein und Champagner, wie Daniel zu berichten wußte!
Vive la France!
Auf ein Neues im Nächsten Jahr!
Udo (der Bericht geht aber unten noch weiter...!)
Dieser Beitrag stammt von Torben Lorenian, dem Beifahrer des BMW 2500 Si mit Gerd Pfundt. Hautnah werden hier die Sorgen und Nöte des Rallyeteam geschildert, wer wissen will wie man sich bei einer solchen Rallye fühlt sollte jetzt weiterlesen ---
Dienstag, 25.01.
Nach monatelanger Vorbereitung geht es endlich los - wir treffen uns um 16.00 zur Abfahrt nach Frankreich. Wir fahren 6 Stunden bis Chalon sur Saonne, um dort zu übernachten. Günter meldet hohen Schnee aus dem Gebiet um Pradelles / Vals les Bains. Wird schon nicht so schlimm werden.
Mittwoch, 26.01.
Aufbruch gegen 08.30 in Richtung Ardeche via Lyon, St. Etienne und Pradelles.
Unser erstes Ziel ist die Eichstrecke, auf der wir mit viel Akribie unseren Retrotrip abgleichen wollen. Ab St. Etienne setzt der Schnee ein - Manfred meldet kaum fahrbare Verhältnisse aus Vals - für die 30km von GP1 "Burzet" benötigen sie 2 h.
Wir entscheiden uns, am Ziel festzuhalten.
Ab dem Col de Pertuis beginnt der Schneesturm - am Anstieg haben sich die Lkws festgefahren, es geht nicht mehr voran. Wir klemmen uns hinter einen Krankenwagen mit Blaulicht und kommen so über den Paß. Das Wetter wird immer unsichtiger, die Straßen sind tief verschneit. Die Polizei errichtet Straßensperren, die wir auf Nebenstraßen umgehen - 12km vor Pradelle kommt auf der N88 das Aus - es ist kein durchkommen mehr, der Schneesturm tobt mit voller Stärke aus Nord bei minus 10° C. Die Straße ist nicht mehr erkennbar, wir stecken oft in mannshohen Schneewehen fest. Wir entscheiden uns, bis Puys zurückzufahren, um von dort via D120 / D531 nach Valence zu kommen. Schneewehen und Schneesturm begleiten uns bis St. Algreve - wir sind das einzige Fahrzeug auf der Strecke, kein Mensch ist zu sehen, alles wirkt wie ausgestorben. Manfred meldet ähnliche Verhältnisse. Wir entscheiden, nach GAP zu fahren, da es mittlerweile 15.00 Uhr geworden ist und weitere Versuche nach Pradelle zu kommen ausweglos erscheinen. Die Eichstrecke wollen wir im Zuge der Nachtetappe am Samstag früh fahren. Von Valence bis GAP haben wir trockene Straßen, der Schnee ist östlich des Rhone Tales nur noch auf den Gipfeln zu sehen. Wir mieten uns in Gap im Ibis Hotel ein. Susi klappert vom linken Rad. Gerd ist besorgt und telefoniert mit seinen Schraubern - die Vermutung liegt auf defektem Radlager oder Querlenker. Wir schauen uns die Sache am Abend noch an und ziehen das Lager fest - vielleicht zu fest - wollen es am Morgen wieder lockern und bestellen ein neues Radlager zum Einbau am Samstag. Nichts läuft so wie geplant - Gerd wird immer nervöser..
Donnertag, 27.01.
Ein strahlend schöner Tag. Nach dem Frühstück wurde das Radlager wieder gelockert. Susi steht trotzig in einer Salzkruste auf dem Parkplatz. Wir fahren via Sisteron auf der Rally Strecke GP9 & 10 ab, kilometrieren sie mit Eichung 138 auf dem Retrotrip. GP9 beschert altes Eis, GP10 frischer Schnee - das kann ja heiter werden. Bei voller Sonne und wenig Verkehr fahren wir über Grasse nach Monaco, wo wir gleich die Einfahrt nach Eze und die Ausfahrt zur Nacht der langen Messer abfahren. Schwierig zu navigieren, die Kilometrierung im Bordbuch stimmt überhaupt nicht für Monaco - wir sind besorgt. Danach tanken, die Smokings im Hotel de Paris abgeben und im Hotel Helvetia einchecken - hier wollen wir uns mit Werner und Günther (Start # 176 Kadett GT/E) und Manfred und Frank (Start # 172 Volvo Amazon) treffen. Udo und Daniel (Start Nr. 209 - Käfer 1302) werden aus Reims erst in Vals zu uns stoßen, das Serviceteam mit Uwe und Peter erwarten wir am Samstag nachmittag auch in Vals.
Nach Reparatur der Hupe am Volvo und erneuter Justierung des Radlagers bei Susi gehen wir im Hafen essen und schaffen es, zu sechst einen Deckel von 1000 Euro zu produzieren. Werner ist besorgt, seine Radaufhängung ist gebrochen und notdürftig geschweißt worden - sie soll in Vals ausgetauscht werden. Gegen Mitternacht kommen wir endlich ins Bett - morgen geht´s los!
Freitag, 28.01 & Samstag 29.01.
Morgens nach dem Frühstück, Beifahrer der Teams treffen sich im Hotel Helvetia. Wir tauschen die Kilometrierung der 13 GP´s und Tricks und Tips aus, während sich die Fahrer um die Autos kümmern. Letzte Routenbesprechung.
Wir checken uns und unsere Autos um 13.30 im Hafen ein, Fahrzeug bekleben, technische Abnahme, letzte Checks. Von 15.00 bis 18.00 können wir noch eine Siesta einlegen - die Nachtetappe ist mit 17 Stunden Fahrzeit angesetzt. Ab 19.15 Uhr beginnt die Auto Corso durch Monaco, wir werden vor dem Start auf dem Casino Platz einsortiert - im Zelt gibt es noch Häppchen und ein letztes Getränk. Um 21.30 stehen wir mit Susi auf der Startrampe und los geht es. Auf der A8 herrscht dichtes Schneetreiben, es sind fast 20 cm Neuschnee gefallen. Nach 80km hört der Schnee auf, der Rest der Etappe ist ruhig. Es gibt 2 Zeitkontrollen, wir spulen unsere Kilometer ab. Den Tiefpunkt erleben wir bei Sonnenaufgang, die Konzentration geht jetzt wirklich gegen Null. Ich schlafe ein paar mal ein. Gerd sieht die vorausfahrenden Fahrzeuge doppelt. Wir liefern uns eine Wettfahrt mit Werner durch das wunderschöne TarnTal, unterfahren die Brücke von Milau. Dort ist die letzte Zeitkontrolle vor Vals. 50 km vor Pradelles das gleiche Bild wie am Mittwoch - starkes Schneetreiben bei heftigem Wind, geschlossene Schneedecke auf der Strecke. Endlich erreichen wir die Eichstrecke, haben kaum Abweichung und fahren die letzten 60 km bis Vals und kommen dort um 14.30 an.. Eichecken im Hotel, kurz duschen - danach wird Susi für die Fahrt gerichtet. Wir finden den Fehler am linken Vorderrad, das Federbein hat sich gelöst, Peter hilft uns bei der Reparatur und Gerd ist froh. Werner wechselt seine gebrochene Radaufhängung und eine defekte Benzinpumpe. Um 23.00 Uhr und 36 Stunden fallen wir wie tot ins Bett.
Sonntag, 30.01.
Heute stehen 300 km Strecke mit den ersten 4 GP´s auf dem Plan. 07.00 Uhr wecken, 09.20 Uhr Startzeit. Der Tag strahlt mit blauem Himmel und Sonnenschein. GP1 Burzet zeigt viel Schnee, GP2 Rochepaule zeigt viel Eis. Viele Fahrer scheinen überfordert zu sein. Zeitkontrolle und Regrouping in St. Felicien.. Der Start Modus wurde geändert, die Teams starten sich jetzt selbst, die Reihenfolge ist egal - das scheint den Betrieb sehr zu entspannen. Wir fahren einen schnellen Transport über 80 km zu GP3 und erledigen auch GP4 mit einem guten Gefühl. 3 +4 haben trockene Fahrbahn. Alle GP´s sind gesäumt von Hunderten von Zuschauern. Ankunft in Vals um 13.40. Mit dem ganzen Team nehmen wir einen Willkommenstrunk auf dem Parkplatz vor dem Hotel ein. Das Ergebnis zeigt 1500 Strafpunkte für uns - dies können wir in keiner Weise nachvollziehen - in GP1 wären wir in einer geheimen Kontrolle 150!! Sekunden zu spät gewesen - versuche mit den Marshalls etwas zu erreichen, hat heute aber keinen Zweck mehr. Um Mitternacht gehen wir ins Bett.
Montag, 31.01.
06.00 wecken. Start Richtung Gap um 08.53 Uhr. Schlechte Stimmung wegen der gestrigen Strafpunkte, statt auf Platz 30 sehen wir uns nun auf Platz 103!!
Weitere Diskussion mit den Marshalls, die wollen jedoch noch kein abschließendes Urteil abgegeben, akzeptieren jedoch die Unsinnigkeit der Bewertung. Wir fahren 130 km Transport bis zur GP5 - Col de Echarasson, der uns aus dem letzten Jahr noch als Eiskanal in Erinnerung geblieben ist - so ist es auch dieses Mal. Die Strecke ist tief verschneit, auf der Route Forrestiere Schnee über Eis - Susi tanzt Samba im Eiskanal, wir sind bis 1200 m zu spät - das fehlende Sperrdifferential macht sich wieder einmal bemerkbar - in der 2. Hälfte von GP 5 können wir einiges an Zeit gutmachen. Leider nicht genug. Hinter Die wechseln wir auf Winterreifen, denn wir erwarten trockene Strecke bis heute abend. GP6 - 9 zeigen sich auch Schnee und eisfrei. Wir haben große Probleme mit dem Aufschrieb - nichts stimmt, wir pendeln von zu spät nach zu früh und wieder zurück. Wir wechseln die Strategie auf jeder GP, Nr. 8 ist am schlimmsten, ständig müssen wir zu und abgegeben, um einigermaßen den Schnitt zu halten. Jeder Chinese bringt neue Abweichung (Plus, Minus, Exakt) Ankunft in Tallard Airport bei Gap in Zeit. Mit Herrn Marshall Bernadet gesprochen, die Strafzeit aus GP1 wurde annulliert. Gut so! Dafür neuer Protest - 750 Punkte aus dem Eiskanal - unverständlich. Die Marshalls sind nett, versprechen jedoch nichts.
Wir tanken und waschen Susi, ziehen Spikes auf - das Service Team hilft mehreren Teilnehmern mit dringenden Reparaturen - lt. Ergebnisliste sind wir auf dem 76. Platz. Im Hotel nehmen wir ein gutes Abendessen im Kreise des Teams zu uns.
Morgen ist der letzte Tag - let´s GO Monaco!
Dienstag, 01.02.05
6.00 Wecken - nach einem kurzen französischem Frühstück im Gapotel / Gap Fahrt zum Tallard Airport. Dort ist der Start für die Etappe Tallard - Monaco - zwei Prüfungen sind vor der Ankunft in Monaco zu fahren - es wird Eis und Schnee erwartet also geht es auf Spikes in die nächste Runde. Wunderschöner Sonneaufgang in Tallard, Temperatur - 5° C. Wir starten um 7.53 Uhr - unser Protest wegen GP 5 wurde abgewiesen.
Nach 46 km Transport Strecke kommt GP 9 - einer von 2 selbst kilometrierten GP´s.
Wir sind guter Dinge!
GP 9 Selonnet - Col de Carcinetes - Bayons, Strecke auf altem Eis - 27,78 km - es sind noch 301 Fahrzeuge in der Wertung - sind Anfangs gut in der Zeit, gegen Ende halten uns viele U-Turns von der rechten Geschwindigkeit ab - gesamt 31. Platz auf dieser Wertung mit 137 Strafpunkten.
90 km Transport zur CH Castellane - kurze Pause und schon geht es weiter - GP 10 - Trigance - Comps Artuby - Chateauvieux - 26,91 Kilometer - die einzige GP ohne Paß. Anfangs läuft es sehr gut - am Ende sind wir mit 101 Punkten 116. auf dieser GP - waren am Ende wieder einmal 8s zu schnell. Wunderschöne Strecke mit wenig Eis und Schnee und fast langweilig. Danach gemächlicher 110 km Transport nach via
Grasse nach Eze Village, kurz vor Monaco.
CH in Eze, Volltanken an der Autobahn durch das Service Team. Von Eze nach Monaco Harbour sind es nur noch 9,5 km - Einfahrt im Hafen mit Vorzeit - Empfang auf der Rampe und in den Park Ferme.
Strahlender Sonnenschein in Monaco bei 18° C. Auto fertiggemacht, Gepäck zusammengesucht und ausgeräumt, 2 Reifen als Gewicht für die Nachtetappe in den Kofferraum gelegt. Transfer zum Hotel de Paris - Zimmer 240 ist unser Quartier - groß und mondän ...
Nach einer Stunde Mittagschlaf erneuter Aufbruch zum Hafen - die Aufregung wächst - jetzt kommt es darauf an!
Im Zelt am Hafen Getränke, Musik und etwas zu essen. Die meisten Teams sprechen dem dargebotenen Vin Rouge zu. Die Anspannung wächst mit jeder Minute - werden wir den Weg aus Monaco finden, wie sind die Pässe, werden wir es schaffen, hält Susi durch, wo sind die Zeitkontrollen, welche Schnitte werden gefahren, werden wir die Strecke finden, welche Strategie werden wir anwenden?
Um 21.05 Uhr geht es endlich los - wir kommen gut aus der Stadt, auf die Autobahn und hinauf in die Berge - CP in Monti - 28 km bis zur ersten GP.
GP 11 48,7 km im Schnitt 48,7 und los - Strecke trocken, wir kommen ganz gut durch - 50. Platz mit 4,8 Sekunden - wie immer zu schnell!
Nach 3km Start zum Turini - wir wollen Vorzeit in der Steigung einfahren - auf halben Wege werden wir von einer Heckflosse aus Spanien jäh gebremst - die Jungs sind mit der Strecke überfordert. Wir fahren erstmalig im Schnitt bzw. mit Vorzeit den Turini hinauf - haben jedoch zu viel Vorzeit und müssen fast stehenbleiben, um die erste Zeitkontrolle nicht über Gebühr mit Strafpunkten zu passieren. - trotzdem sind wir viel zu schnell und kassieren insgesamt 428 Punkte. Oben auf dem Turini stehen einige Tausend jubelnde Zuschauer an brennenden Feuern und geben uns Spalier. Auch sonst, auf der ganzen Strecke, immer wieder frenetisch jubelnde Zuschauer.
Von La Bolleme nach Lalouvesc auf der Transportstrecke können wir den Spanier überholen - letzte GP Nr. 13 - 39,64 km und als harter Brocken aus dem letzten Jahr in Erinnerung - wir starten direkt los - im ersten Drittel keine Probleme, weiter oben wird es zu eng und kurvig, wir kommen aus der Zeit - enger Eiskanal - wir überholen einen 911er und den Shelby Mustang, bleiben an einem Datsun hängen, der uns nicht vorbeiläßt - härtestes Rennen über Eis unter Schnee, Strecke sehr eng mit Felsen und Bäumen, oft nur cm vom Crash entfernt - max. 2 m Abstand zum Vordermann - wir sind bis 1400 m zu spät, alles drängen hilft nichts, der Datsun läßt uns nicht vorbei - nachdem der Schnee aufhört, Dutzende von U-Turns bergab - der Datsun läßt uns nicht vorbei - Gerd fährt meisterlich - endlich GP Ende 30 Sekunden verlor! 73. Platz.
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Susi endlich am Datsun vorbei..... |
Ordner halten uns an, um die Spikes zu kontrollieren - keine Bremswirkung mehr, Susi raucht aus allen 4 Scheibenbremsen, es riecht nach verbranntem Gummi, der Tripmaster gibt keinen Ton mehr von sich und ich habe das Bordbuch in dem ganzen Trubel verloren - war wohl hart während der vergangenen 40km!
Wir lassen uns von dem grünen Mini aus Düsseldorf nach Monaco lotsen - keinerlei Probleme auf der Strecke - wir kommen heil mit Vorzeit in Monaco an.
Grosse Freude im Team, alle sind unbeschadet und schwärmen von der harten Prüfung. Wir trinken 12 Flaschen Sekt von Günter, erzählen Rallye Latein und geben gegen 3 Uhr morgens durchgefroren und müde auf.
Mittwoch, 2.2.05
Nur noch wenig Frühstück, wir sind zu spät dran. Das Hotel de Paris ist überladen prunkvoll! Nach dem Frühstück in den Hafen, Schiffe bestaunen, Mittagessen mit dem Team, danach Reifenwechsel - die Spikes sind nicht mehr vorhanden, alle Nägel sind rausgeflogen, das Profil ist abgefahren - und das nach 1000 km .... wir werden die Reifen entsorgen!
| Hätte er mal Conti oder Uniroyal genommen, dann wärte es wohl
anders gekommen..... |
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Nochmals Mittagsschlaf und Körperpflege am Nachmittag, kurzer Sektempfang auf dem Zimmer - um 20 Uhr werden wir mit dem Bus zur Gala im Club Sportive de Monaco gefahren. Gegen 01.00 ist die Gala beendet, bis um 3.00 Sitzen wir noch in der TipTop Bar beim Bier.
Donnertag 3.2.05
Gegen 11.30 Aufbruch nach Deutschland - Problemlose 1000 km - um 22.00 ist alles vorbei.
Wir haben nach 2100 km den 65. Platz (von 351) im Gesamtklassement mit 3168 Punkten belegt und sind 24. in der Klasse 1972 - 1976 (von 111) in der PS Klasse sind wir 8. von 24.
Die Zeit verging im Flug - Start am Dienstag, den 25.01., Nachmittags an die Ardeche, Heimkehr am Donnerstag, 3.02. - 10 Tage und 4800 km später, die mit einem Tag Pause in Monaco fast ausschließlich im Auto verbracht wurden. Eine große Herausforderung an Teams und Material, wunderschöne Eindrücke von der Strecke und dem hervorragenden Teamgeist unserer Equipe.
Alles in allem war die Rallye hervorragend organisiert, vor allem der geänderte Modus zum Eigenstart bei GP´s hat viel zur Entzerrung beigetragen. Die Marshals waren dieses Jahr sehr hilfsbereit - die Ordner haben oft einen sehr rauhen Ton, unverändert schaffen die Organisatoren es immer wieder, Streß aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Es bleibt nie Zeit, immer ist man zu spät, immer muß man sofort weiter. Die Streckenführung war traumhaft, die Mischung aus Schnee, Eis und trockener Strecke ausgewogen und es war wie immer ein großes Abenteuer - nächstes Jahr wird alles Besser!
Torben Lorenian
Ein toller Artikel in der MARKT 04 / 2005, geschrieben von Gert Pfundt, dem Fahrer von Torben:
Rallye Monte Carlo Historique 27.1. - 2.2.2005
Die Rallye Monte Carlo Historique, achte Veranstaltung für Oldtimerfahrzeuge bis Baujahr 1976 war schon immer ein bißchen anders als andere Rallyes: Kein Rundum - Sorglos - Paket mit Wohlfühl-Garantie vom Veranstalter. Stattdessen bekamen 350 Teams, die in Barcelona, Oslo, Monte Carlo Reims oder Turin zu einer ersten Sammel - Etappe bis in die Ardèche fast 18 Stunden am Steuer und wach bleiben sollten, eine professionell organisierte Veranstaltung geboten, ohne organisatorische Fehler der vergangenen Jahre. Für ausreichend Schnee sorgten ausgiebige Niederschläge mit Schneestürmen in den Tagen vor dem Start.
So wurde unser Plan, vorab alle Wertungsprüfungen abzufahren und selbst zu kilometrieren unter Schneeverwehungen und mit Straßensperrungen zunichte gemacht. Früher angereiste Mannschaftskameraden konnten aushelfen und so fiel am Freitag, den 28. Januar vor dem Casino in Monaco die Startflagge. Beeindruckt die Veranstaltung schon durch ihre schiere Größe, so ging uns erst recht beim Abschreiten der Startaufstellung die Kinnlade runter: Lancia Stratos und Fulvia ohne Ende, Porsches in allen (schnellen) Variationen, Renault Alpines, Datsun 240 Z, Mercedes Heckflossen, auch Kuriositäten wie ein (sehr ambitioniert bewegter) Austin 35 "speedwell"(!!) oder eine Ur-Ente mit Hängematten - Gestühl traten zu einer Gleichmäßigkeitsrallye an, die mit Schnitten nahe 50km/h auch auf Schnee und Eis keine Wünsche offen ließ.
Die 13 Wertungsprüfungen mit 10 - 45 km Länge begannen am Sonntag im Schnee der Ardèche mit "Le Burzet"- unser BMW 2500 ging hier auf seinen gut abgehange-nen Spikes - Reifen noch als achtbarer 17. durch die Zeitkontrollen. Das Glück ver-ließ uns ohne Vorwarnung am 2. Wertungstag: Die gute Vortagesplatzierung fiel dem umsichtigen (=zu langsamen) Fahrstil des Piloten zum Opfer. Platz 76 im Etappenziel Gap war dann auch ganz gut.. Am dritten Wertungstag bot eine Prüfung im Eiskanal Gelegenheit zur Bewährung, und nach Ende der Tagesetappe in Monte Carlo konnten sich die Teams für einige Stunden in die vom Veranstalter gebuchten Luxus - Hotels zurückziehen, bevor die alles entscheidende "Nacht der langen Messer" anbrach.
Am Col de Turini hängt die Susi (wie kommt unser schnittiger BMW zu einem solchen Pseudonym?) so fest am Gas, dass wir gnadenlos Vorzeitstrafen kassieren, aber die letzte Prüfung Lantosque - St. Laurent packt noch ein Brikett drauf. Shelby Mustang - Träume verrauchen beim Burnout mit 450PS im Eiskanal, Porschefahrer steigen aus und lassen es einfach bleiben, die Susi wirft alle Spikes und 80% des Gummiprofils von sich, zieht aber fast ungebremst durch Eis, Schnee und unzählige Spitzkehren. Das bringt den 67. Gesamtplatz und nach Mitternacht hört man im Parque fer-mée im Hafen von Monaco noch so manchen Korken knallen. An diesem letzten Abend machen sich die Sportkommissare tatsächlich besonders beim gewöhnlichen Rallyeteilnehmer sehr beliebt, als sie zahlreiche Strafen für Profi - Teams ausspra-chen, die ihre Servicefahrzeuge verbotenerweise in die Wertungsprüfung eingeschleust hatten oder unzulässige Spikesvarianten bei der letzten Wertung auf den Felgen hatten - eine angenehme Weiterentwicklung der Veranstaltung. Als auf der abschließenden Gala - Veranstaltung im Sports Club die wenigen Pötte verteilt waren (ein phänomenaler 3. Platz ging an das deutsche Team Jüntgen/Müller), zogen zwei zufriedene deutsche Mannschaften in eine nette kleine Bar unweit des Casinos, um bis zum Morgengrauen den Plan einer gemeinsamen Mannschaft für alle deutschen Teams 2006 zu formen.
Mal ganz im Ernst: Wer kommt mit?
GP
Wiesbaden, 7.2.05